Die Hand als taktiler Kontakt mit der Welt - Pinsel, Fotoapparat, Videokamera, Hammer, Gabel, usw... Und doch, obwohl nach wie vor unverzichtbar, hat sich ihre Bedeutung verändert. Seit der Erfindung der Maschine als produzierendes Instrument ist zumindest in Europa die Handarbeit von schwindender Bedeutung. Und mit dem Bedeutungsverlust der Hand als Herstellende geht auch einher der Mangel an Aneignung der Welt. Heute konsumieren wir Welt nur noch, können sie aber kaum noch „handhaben“.
Als Künstlerin interessiert mich die Hand in der bildenden Kunst. Hier ist sie die segnende, lebensspendende (Michelangelo), weisende, repräsentierende. Und auch die tätige, schreibende, musizierende,kommunizierende,schamhafte. Sie ist die kämpferische, kriegerische, auch die Todeshand. Ihr göttlicher Gestus weist hinüber in politische Gesten unterschiedlicher Ideologien, die geballte Faust, Victory, die ausgestreckte Hand. Hier ist die Hand die Bekennende.
Neue Bedeutung hat die Hand bekommen als Schnittstelle der neusten Technologien. Verkabelt im Datenhandschuh ermöglicht sie den Zutritt zu virtuellen Welten. Die Drähte der Verkabelung entsprechen den Adern der menschlichen Hand. Neues, elektronisches, kaltes Blut soll in uns zirkulieren. Die verkabelte Hand zeigt zweierlei: einerseits eröffnet sie neue Horizonte, zum anderen bindet sie den Menschen an die Maschine. Sie macht ihn schwerelos und fesselt ihn gleichzeitig.
Ausstellung: Weißgerbermuseum Doberlug-Kirchhain, 2000